Negativer Split – check

Negativer Split – check

Negativer Split klingt eigentlich nicht wirklich positiv, oder? Aber genau genommen ist es etwas Positives. Zumindest, wenn man es als Läufer hinbekommt, einen zu Laufen.

Für mich persönlich sind Dinge wie Renntaktik oder -planung irgendwie Fremdworte. Ich laufe einfach und schaue hinterher, wie es gelaufen ist. Klar, ich nehme mir eine grobe Zielzeit vor, aber das Ziel der ganzen Übung ist tatsächlich das Ankommen. Klingt abgedroschen, ist aber so. Denn alleine durch das Ankommen habe ich schon viel mehr geschafft, als alle, die nicht einmal antreten und selbst wenn ich nicht ankäme, wäre ich weitergekommen als die Sofa-Sitzer.

Um so besonderer ist es für mich gewesen, am vergangenen Sonntag aus Versehen etwas hinbekommen zu haben, dass die Taktiker extra so planen: Ich bin einen negativen Split gelaufen. Für diejenigen, die nicht wissen, was das bedeutet, hier ein kleiner Definitionsversuch:

Ein negativer Split bedeutet den zweiten Teil des Rennens schneller zu laufen als den ersten.

Thomas, der Harlerunner, hat einen schönen Artikel zu diesem Thema mit guten Beispielen geschrieben – Prädikat lesenswert. Beim Negativen Split kann der Läufer, der danach verfährt, unterschiedliche Ansätze verfolgen: Der eine läuft die erste Hälfte schon auf Maximum und versucht dann in der zweiten Hälfte noch einen draufzulegen, während die -meiner Meinung nach- Clevereren die erste Hälfte bewußt unter Limit laufen , um dann bei Teil 2 noch Reserven zu haben. Aber für mich ist das nur Theorie und ich laufe lieber einfach, als drüber nachzudenken.

Umso erfreulicher ist dann das Ergebnis des 19. Starke Bäcker Halbmarathons am vergangenen Sonntag für mich gewesen. Aufgrund der Erfahrungen aus der Marathonvorbereitung und insbesondere der langen Läufe habe ich mit einem ziemlichen Kampf gerechnet. Ich hatte eine Zielzeit von ca. 02:20:00 auf dem Zettel, eine ziemliche Bank für die Rote Laterne bei diesem relativ kleinen Lauf mit 248 Startern, davon sehr viele Vereinsstarter… Ich habe mal nachgeschaut, dies war mein vierter Start beim Halbmarathon in Bremen-Nord. Ich finde die Veranstaltung einfach immer wieder spitze. Gut organisiert und mit dem besten After-Run-Butterkuchen der Welt. Wenn ich ehrlich bin, für mich einer der Gründe für die vierte Startwiederholung. Wobei es wahrscheinlich einfacher wäre, kurz zum Bäcker zu fahren und den Butterkuchen zu kaufen. Aber erlaufen schmeckt er dann wahrscheinlich doch besser.

Gestartet bin ich gemeinsam mit den Racebookern Rainer (Dauer-Wettkampfbegleitung) und Jörn und wir sind recht gemütlich -aber schneller als mein geplantes Marathon-Tempo- auf die schöne Wendepunktstrecke vom Sportparksee Grambke zur Moorlosen Kirche. Es wurde fleißig geklönt und das zu diesem Zeitpunkt noch perfekte Laufwetter genossen. Bei Kilometer 12 wurden am Horizont weitere Racebooker sichtbar und wir versuchten zu ihnen aufzuschließen. Am Verpflegungspunkt bei Kilometer 14 blieb Jörn dann allerdings stehen, um sich zu verpflegen, was ich erst später bemerkte und wir haben Jörn -wie er es ausdrückte- einfach vergessen… ich würde eher ‚verloren‘ formulieren. Keine Absicht lieber Jörn. Rainer und ich saugten uns an die anderen Racebooker heran, konnten aufschließen und auch ein Weilchen mithalten. Racebooker Thomas wollte dann noch einmal die 2:00:00 angreifen. Überschlägig habe ich kurz nachgerechnet und die Idee als abwegig bewertet. Dennoch habe ich mich bemüht, an Thomas dran zu bleiben, der auf einmal das Tempo kräftig anzog, denn meine Wahrnehmung des Verhältnisses Rest-Körner/ Rest-Strecke war doch noch gefühlt deutlich auf der Haben-Seite – mit anderen Worten: da ging noch was. Zwar nicht die 2:00:00 aber irgendwie wollte ich einfach schauen, was noch möglich ist.

5 Kilometer noch zu laufen und ich konnte das Tempo deutlich steigern und vor allem auch halten, was mich selbst ein wenig überrascht hat. Die letzten Kilometer hat Rainer mich dann ziehen lassen müssen, ich fand es schon faszinierend, dass er nach seinem Autounfall überhaupt gestartet ist – Chapeau. Geholfen das Tempo zu halten hat auch, dass pünktlich ab Kilometer 18 ein leichter Regen einsetzte.
Rennanalyse Ich konnte sogar noch den einen oder anderen Läufer einsammeln und bin dann nach 02:05:36 (eigene Netto-Zeit-Messung 😉 durch’s Ziel gelaufen. Dirk, mit dem ich gemeinsam nach Bremen-Nord gefahren bin und schon deutlich vor mir im Ziel war, hatte mich noch gar nicht erwartet. Anders kann ich mir gar nicht erklären, warum ich mir mein Läuferbierchen selber holen musste 😉

Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentare auf "Negativer Split – check"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Jörn Schröder
Gast

Das „vergessen“ ist kein Problem. Jeder muss sein Rennen laufen, und Ihr habt ja doch ziemlich Gas gegeben. Das Tempo hätte ich auch nicht mehr lange mitgehen können. Ich war schon froh, dass ich bis dahin mithalten konnte.

wpDiscuz
facebook
twitter
gplus
instagramm
flickr