Berlin Marathon 2016

Berlin Marathon 2016

Nach 16 Wochen Vorbereitung war am letzten Wochenende PayDay bzw. Race-Day… Berlin Marathon 2016!

Nachdem ich im letzten Jahr etwas Pech auf den letzten 3km hatte, sollte es in diesem Jahr rund laufen. Deshalb auch 16 statt 12 Wochen Vorbereitung! Insgesamt war ich nach besten Wissen und Gewissen gut vorbereitet. Ich hatte erneut dieselbe Unterkunft gebucht wie im Vorjahr – keine Überraschungen bitte! Also am Freitag noch kurz die Kids und die Hunde bei Omi & Opi geparkt und ab auf die Autobahn in Richtung Berlin. Dank diverser Baustellen eine wilde Stausteherei, aber der Weg ist das Ziel – lernt man beim Marathon!

In Berlin angekommen schnell die Unterkunft bezogen und kurz rüber zum Potsdamer Platz. Essen fassen. Tja, der Laden, in dem wir die letzten Jahre bei unseren Berlin-Ausflügen gerne gegessen haben (total leckere Flammkuchen), ist einem mexikanischem Restaurant mit großen Cocktails für € 4,50 gewichen. Schnellebige Gastronomielandschaft in Berlin. Trotzdem ganz gut gegessen.

Am Samstag dann erst einmal zur Marathon-Messe, die Startunterlagen abholen. Nachdem das im letzten Jahr schon extrem zügig ging, was für Begeisterung ob der Organisation sorgte, hat es mich in diesem Jahr fast umgehauen. Ich musste zwar insgesamt dreimal meinen Startpass und den Ausweis vorlegen -safety first- aber ich hielt meine Startunterlagen tatsächlich innerhalb von 5! Minuten in den Händen. Unglaublich! Und ich war kein Einzelfall. Mit Verlaub, das ist mehr als vorbildlich. Bei der Marathonmesse ein paar Stände abgeklappert und das ein oder andere Paar Schuhe anprobiert. Leider, oder Gott sei Dank, war nichts passendes für mich dabei… Am Nachmittag sind Sabrina und ich noch durch die Stadt gebummelt, um uns am frühen Abend dem Pastaessen des #Twitterlauftreff bei einem Italiener am Alex anzuschließen. Die Pasta war sehr lecker, aber dennoch war ich froh, dass Sabrina ihre Pizza nicht ganz geschafft hat. Ein paar sehr nette Menschen und den einen oder anderen schrägen Vogel (nett gemeint) kennengelernt. Wir sind dann auch recht zeitig wieder in Richtung „Hotel“ aufgebrochen, denn gefühlt mussten wir durch die halbe Stadt und ich wollte eigentlich nur noch ins Bett. Jede Minute Schlaf zählt.

Nach einer ruhigen Nacht klingelte um 06:00 Uhr der Wecker! Laufbereitschaft herstellen. Erfreulicherweise bewies die Frühstücksdame in der Landesvertretung Baden-Würtemberg Flexibilität: Eigentlich beginnt das Frühstück Sonntags erst um 07:30 Uhr. Netterweise hat sie früher angefangen und für die Marathonis das Frühstück früher bereitgestellt. Somit ging es also pünktlich in Richtung Veranstaltungsgelände. Dort dann schnell zum Team-Erdinger-Alkoholfrei-Mobil gewandert, Klammotten eingelagert und ein schnelles Racebooker-Photo geschossen. Nach dem obligatorischen Klönschnack ging es dann in die Startaufstellung. In diesem Jahr war ich alleine im Startblock H, die anderen Racebooker verteilten sich auf schnellere Blöcke. Zuletzt habe ich neben einem lustigen Spanier gestanden und wir haben uns mit Händen und lachen auf gegenseitige Photos verständigt. Marathon beseitigt Grenzen…

Los geht’s

Nachdem die Elite pünktlich um 09:15 Uhr auf die Strecke geschickt wurde durfte ich letztlich auch um 09:47 Uhr die Startlinie überqueren. Bei bestem Wetter hatte ich so richtig Bock auf den Lauf. Und meine Beine liefen wie von selbst. Ich hatte mir für den Lauf zwei Ziele gesetzt: 1. Heile & gesund ankommen und 2. wenn möglich 04:50:00h packen. Beides durchaus realistische Ziele. Für Ziel Zwei war ich teilweise sogar etwas fix unterwegs, weswegen ich mich tatsächlich bremsen musste. Das hat definitiv gut geklappt. Sabrina hat mich unterwegs bei Kilometer 15 und 25 abgefangen und angefeuert und mir ging es blendend. Aufgrund der steigenden Temperaturen habe ich von Anfang an jede Getränkestation mitgenommen und jeweils etwas Wasser getrunken. Gut gelaunt und bester Dinge lief es bei mir bis Kilometer 26 einfach bestens. Dort dann unangenehmerweise in ein Schlagloch getreten und fst gestürzt. Das gab einen ordentlichen Ruck im Laufapparat. Nach ein paar Metern im Schlenderschritt um zu prüfen, ob was ‚kaputtgegangen‘ ist, konnte ich ganz normal weiterlaufen. Ganz klar auf Kurs Punktlandung 04:49:00.

Kilometer 28!

Kurz nach dem Erfrischungspunkt bei Kilometer 27,5 ging es auf einmal los. Wie aus dem Nichts schloss sich auf einmal eine Hand um mein Innenleben. Zunächst nur um den Magen-Darm-Bereich. Ich weiss nicht wirklich woran es gelegen hat… die Temperatur? zu kaltes Wasser getrunken? die Mischung aus Wasser und Banane an den vorherigen Verpflegungspunkten? zuviel davon? vielleicht das Iso-Zeug, obwohl ich mich nur dunkel daran erinnern kann, es getrunken zu haben… Keine Ahnung. Auf jeden Fall ging es mir gar nicht mehr gut. Also erstmal gehen… Wie man so schön sagt: Gehen, bis es wieder läuft. Also nach ein paar hundert Metern entschieden, wieder zu laufen. Schlechte Idee. Die Hand um meine Eingeweide wanderte weiter nach oben und schloss sich nicht nur um Magen und Darm, sondern auch um meinen Brustkorb. Laufen war also erst einmal eine schlechte Idee. Obwohl Beine und Kopf damit überhaupt keine Probleme hatten.

Was tun?

Ich erreichte Kilometer 30 gehenderweise und haderte mit mir selbst. 3 Optionen gab es für mich:

  1. Aufgeben und am nächsten Sanitätspunkt einkehren
  2. Weiterlaufen – no Risk no Fun mal schauen wie weit ich komme
  3. Weitergehen bis ins Ziel – auf Nummer sicher!

Zwischenzeitlich hatte sich Sabrina per Whatsapp gemeldet und mitgeteilt, dass Sie am Ku’damm auf mich wartet. Und da stand meine Entscheidung fest. Es wird gegangen! Die Vernunft hat gesiegt. Was nützt es, wenn ich unterwegs zusammenklappe und den Wettkampf liegend beende. Oder mir schlimmstenfalls was Bleibendes einfange. Ich bin Familienvater und Ehemann – da sind Prioritäten zu setzen und meine Gesundheit riskiere ich nicht. Wofür? Für eine Medaille? Und wer sagt, das 42,195 zum Teil gegangene Kilometer weniger Leistung sind als 42,195 gelaufene Kilometer? Ich verdiene mit dem Scheiss nicht meinen Lebensunterhalt und mein Seelenheil hängt auch nicht davon ab.

12 Kilometer Spazierengehen

Ein Spaziergang über 12 Kilometer beim Berlin Marathon. Tolle Aussichten. Ab und an habe ich unterwegs versucht, anzutraben. Ich bin allerdings nicht weiter als ein paar hundert Meter gekommen, schon stellte sich wieder dieses beklemmende Gefühl im gesamten Bauch-/ Brustbereich ein. Ich kann dieses Gefühl nicht wirklich beschreiben, ein Herzstechen war es nicht, dann wäre ich sofort rausgewesen. Also weitergehen…. Sabrina informierte ich, dass es wohl etwas längern dauern wird, bis ich am Ku’damm ankomme und es gab eine aufmunternde Sprachnachricht via Whatsapp. Das Tollste und gleichzeitig auch das Schlimmste für mich waren zu diesem Zeitpunkt die Zuschauer und Volonteers. An jeder Ecke wurde man noch einmal angefeuert, aufgefordert noch einmal anzutraben und den Marathon zu laufen. Mal abgesehen davon, dass es mir wirklich nicht gut ging, habe ich es mich auch nicht getraut, denn diese Hand an meinen Eingeweiden war omnipräsent. Ich habe weiterhin jede Getränkestation mit- und die Aufmunterungen dankbar angenommen. Nur Laufen war nicht mehr drin. Das Zeitziel eh schon abgehakt und es ging nur noch darum, heile anzukommen. Bei Kilometer 35 wartete Sabrina dann erneut auf mich und das hat mich einfach noch einmal gepushed, obwohl ich die Tränen an diesem Punkt kaum noch unterdrücken konnte.

Noch 6 Kilometer

Ich konnte gehenderweise wieder etwas Geschwindigkeit aufnehmen, Laufen war noch immer nicht wieder drin. Die Stimmung an der Strecke war phänomenal und ich hatte erstmals seit mehreren Kilometern wieder positive Gedanken. Durch’s Brandenburger Tor in’s Ziel zu laufen war nun das Ziel! Dafür galt es sich nun zusammenzureissen! Nun war es tatsächlich die Temperatur die mir zu schaffen machte. Zudem war ich auch annähernd 5 Stunden unterwegs und emotional am Limit. Dann tauchten Schilder auf, die ich noch aus dem letzten Jahr kannte: Noch 2 Kilometer bis zum Bier… und Noch 3x abbiegen… und dann kamen die blauen Erdinger-Bögen am Horizont in Sicht. Den ersten noch durchwandert, den zweiten durchlaufen und dann mit dem Wissen dass es nur noch 200m bis ins Ziel sind, bewußt durch’s Brandenburger Tor gegangen. Dann wieder angetrabt und über den blaueb Teppich ins Ziel gelaufen. Nach 05:28:13h! Der pure Wahnsinn. Dort heile angekommen und mit der Medaille in der Hand liefen die Tränen. Nix ging mehr und ich musste erst einmal durchatmen. Sofort stand auch schon jemand neben mir und erkundigte sich nach meinem Befinden. Den Sanitäter habe ich dann auch direkt genötigt ein Zielphoto von mir zu machen!


Ich kämpfte mich durch die Massen der Finisher zum Team-Erdinger-WoMo, wo ich mich erstmal hinsetzen und in Ruhe ein alkoholfreies Weizen trinken konnte. Dann habe ich meine Sachen gepackt und mich auf die Suche nach Sabrina begeben, denn ich wollte nur noch zu ihr und auf’s Zimmer unter die Dusche!

Zwischen Hotelzimmer und uns war dann allerdings noch das Veranstaltungsgelände, das noch immer eingezäunt und Teilnehmerundurchlässig war. Also selbes Prinzip wie im letzten Jahr: 20 Euro investiert für eine abenteuerliche Fahrradtaxi-Tour zur Unterkunft. Mit Verlaub, das ist gut investiertes Geld.

Der größte Vorteil bei unserer gebuchten Unterkunft war neben der Lage in grundsätzlich fussläufiger Distanz zum Startbereich, dass wir das Zimmer bis in den späten Nachmittag halten konnten. Somit ganz in Ruhe die Dusche genossen, beim Pflasterabziehen gejault und die Sachen zusammengepackt.

Da Sabrina ungern in Berlin Autofahren wollte, habe ich den Wagen dann bis zum Rastplatz Ziesa gelenkt, wo ich bei einem einschlägig bekannten FastFood-Riesen die Basis für einen Ausgleich des Kaloriendefizits legen konnte!

Fazit

Berlin ist der Kracher! Ich bin froh, den Lauf durchgezogen zu haben… Der Lauf wird als besonderes Erlebnis in Erinnerung bleiben. Zuschauer, Volonteers und Teilnehmer waren der Kracher. Zumindest in meiner diesjährigen Leistungsklasse achteten die Läufer aufeinander. Auch die Volonteers haben einen Hammerjob abgeliefert -Respekt! Und das Publikum: Hut ab!

Grundsätzlich würde ich sofort wieder dort starten. Allerdings harmoniert der Termin leider nicht so gut mit dem Familienkalender, weswegen dieses Jahr wohl die letzte Berlin-Teilnahme bis auf Weiteres war.

Grundsätzlich werde ich aber zur eigenen Beruhigung meine Erfahrungen während des Laufes mit einem Arzt besprechen, denn ich möchte einfach ausschließen, dass hier vielleicht doch etwas Organisches vorlag. Safety First, denn ich würde gerne ruhigen Gewissens den nächsten Marathon angehen und eben nicht mit einer Hirnhälfte in Sorge starten.

Daher Danke Berlin! Du warst -trotz alledem- wunderbar…

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MartinMichaelIlka Krenke Letzte Kommentartoren
Martin
Gast
Martin

Wow. Du hast ja noch mehr gelitten als ich.

Aber zu deiner Beruhigung: wenn du dir nach dem Lauf schon das McD Zeugs reindonnern kannst, wird dein Arzt bestimmt zu schmunzeln anfangen. 😉

Ilka Krenke
Gast
Ilka Krenke

Hallo Michael, ich weiß nur zu gut, wie Du Dich gefühlt hast, zu überlegen, ob Du abbrechen solltest. . Ich musste in Dresden bei km 30 wegen einer Oberschenkel Zerrung entscheiden, endgültig auszusteigen. Das war mit Abstand eine der schwersten Entscheidungen, die ich treffen musste. Das Gefühl, mit dem Sanitätsdienst ins Ziel gebracht zu werden, ein Alptraum. Insofern kannst Du froh und auch stolz sein, diesen Lauf bewältigt zu haben!
LG ilka

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