Grenzen sind dazu da, überschritten zu werden! – SWB-Marathon 2013

Grenzen sind dazu da, überschritten zu werden! – SWB-Marathon 2013

Zuallererst: Ich habe keine Ahnung, wie es Menschen schaffen, einen Marathon nach dem anderen zu laufen, geschweige denn Ultra-Marathons zu laufen. Gefühlt bin ich heute mehrfach gestorben und komme mir auch jetzt vor wie eine wandelnde Leiche!

Aber eines nach dem Anderen.image Um 9:15 Uhr haben sich diverse Racebooker zum obligatorischen Teamphoto getroffen. Vor dem Start der Halbmarathonis 2 Stunden später gab es wohl noch ein 2. Photo, aber die Marathonis und 10km-Starter waren ja schon deutlich früher unterwegs… Ich wollte nach dem Photo noch einmal eben fix auf’s Örtchen… Die lange Schlange hat mich aber abgehalten – das sollte sich beim KM 26 rächen!

Marathon (2)Lt. Ansager beim Start waren wohl 1.700 Starter gemeldet… und ich mittendrin.

Hatte mich schön hinten angestellt in der Startaufstellung und konnte fast von Anfang an vernünftig laufen. Ich habe mich dann erstmal dem 04:30:00-Pacemaker angeschlossen, was eine sensationelle Erfahrung war. Schubi, der Pacemaker, hat das alleine in Bremen wohl schon sechsmal gemacht und hatte Informationen zu jedem Streckenabschnitt parat. Somit sind wir mit gut 20 Läufern permanent um Schubi und seinen Pacemaker-Kollegen herumgeschwirrt. Und das war großartig. Kilometer um Kilometer haben wir bei toller Stimmung (Schubi ist ne Stimmungskanone) abgespult und es lief wirklich toll! Und dann kam der Verpflegungspunkt bei KM 26, kurz nachdem Marathon- und Halbmarathon-Strecke sich trafen. Ich habe etwas getrunken und gegessen (Obst, wenn ich mich recht entsinne) und dann überfiel es mich. Ich musste auf’s Klo, Pipi-Machen wie Jan-Ole und Finn sagen. Und Tataaaaaa: spontan tauchte ein Dixi-Klo auf und ich musste rechts raus. Leider musste ich deswegen auch Schubi und die 4:30er Truppe ziehen lassen. Hab’s leider nicht mehr geschafft, sie wieder einzuholen. Sehr schade.

Bis KM 30 konnte ich noch gut laufen, aber dann ging es los! Erste Gehpause eingelegt und die Feststellung gemacht, laufen ist besser, denn beim Gehen kam sofort die rechte Wade in Schwung. Echt ein fieses Stechen. Also weiterlaufen… schön langsam, aber konstant. Bei KM 31 stand dann wieder ein freundlicher Racebooker (einer der wenigen Bremer, die nicht starteten) und hat noch einmal angefeuert.

Dann ging es in Richtung Übersee-Stadt. Einmal umgedreht und tierisch erschrocken! Weit und breit kein Läufer zu sehen… bin ich etwa der Letzte? Beim Durchlaufen eines alten umgebauten Speichers wurde man wie an vielen Stellen entlang der Strecke von einem DJ mit lauter Musik begrüßt… „Wir heißen nun auch die Nummer 963 in der Übersee-Stadt willkommen, auf in’s letzte Viertel der Strecke“. Sollte wohl motivieren. Ich hab nur gedacht: „Oh mein Gott“. An anderer Stelle, am Werdersee als ich noch mit der 4:30-Truppe unterwegs war, hieß es: „Und da kommen die wahren Helden des Laufs, ihr packt das….“ Wie war das denn gemeint? Kurz nachdem ich in der Übersee-Stadt begrüßt wurde, habe ich dann glücklicherweise gehört, wie der DJ den nächsten Läufer begrüßte. Puh, doch nicht letzter, obwohl schon einige Läufer an mir vorbeigezogen waren…

Ein Blick auf die Uhr sagte mir dann irgendwann, dass es egal ist, ob ich gehe oder laufe, ich werde definitiv vor Zielschluss im Ziel sein! Das war schon beruhigend, allerdings hatte ich mir klammheimlich nicht nur Ankommen als Ziel gesetzt. Zwar nur ein ’schön-wäre-es-Ziel‘ aber immerhin. Ich wollte den Versuch starten zwischen 04:30:00 und 05:00:00 ankommen. Also war Spazierengehen bis in’s Ziel keine realistische Option. Bis KM 35 konnte ich noch längere Abschnitte laufen und dann kurze Gehpausen machen. Am Verpflegungspunkt hat mir dann noch so ein Obst-schneidender Rentner ’n blöden Spruch gedrückt: „beim nächsten Mal besser vorbereiten, dann musste auch nicht Spazierengehen“! Was erlaubt der sich eigentlich. Naja es muss auch Ausnahmen geben bei den supertollen Helfern am Streckenrand und an den Verpflegungspunkten. Aber der wäre fast über die Kaimauer geflogen.

Somit ging es weiter… Noch gut 7 Kilometer! Und die waren für mich die Hölle. Nun wechselten sich kurze Laufabschnitte und längere Gehpausen ab. Und jetzt wurde ich ständig überholt. Allerdings gab es auch reichlich Leidensgenossen an die ich mich laufend immer wieder herangearbeitet habe, wenn diese Ihre Gehpausen eingelegt haben. Natürlich haben die mich dann in meinen Gehpausen wieder überholt aber so habe ich mich die Weser entlang bis zum Weser-Stadion gehangelt.

Im Weser-Stadion gab es dann ein persönliche Begrüßung von Stolli, dem Stadionsprecher und ein Video von mir auf der Videowall. Geilomat. Ziemlich krass, seinen eigenen Namen über die Stadionanlage zu hören… Das hat mich durch das Stadion gezogen und an der Rampe von Stadion zum Osterdeich gab es noch einmal einen Verpflegungspunkt, an dem ich eine Pause eingelegt habe, bevor ich mich die Rampe hochgekämpft habe.

Übrigens ist der Osterdeich nach gut 39km verdammt lang. Ich musste sehr häufig gehen und wurde immer wieder zum Laufen animiert. In den Gehpausen wurde die rechte Wade immer mehr zum Problem. Aber letzten Endes bin ich dann doch in die Unterführung ‚Tiefer‘ eingelaufen.

Die Steigung ging es dann wieder gehend hoch und am oberen Ende wartete auf mich die Überraschung des Tages: Racebooker Markus war bereits umgezogen und nach seinem HM-Intermezzo (01:30:00) auf dem Weg an die Schlachte. Er begnügte dich allerdings nicht mit Anfeuern und Grüßen, sondern entschied sich spontan neben mir herzulaufen und meinen Hintern in’s Ziel zu treiben. Was für eine großartige Aktion von einem Menschen, mit dem mich eigentlich ’nur‘ die Racebooker und die gemeinsame Leidenschaft Laufen verbindet. Nicht nur wegen dieser Aktion, aber insbesondere hierfür: 1.000 Dank und mein höchster Respekt. Ein toller Mensch, den ich ohne die Racebooker nie kennengelernt hätte.

So ging es also laufend mit Markus die Martinistrasse entlang und bis auf die Zielgerade, die Obernstrasse. Kurz vor dem Ziel ist er dann abgebogen in Richtung seines ursprünglichen Ziels. Ich habe dann alle vorhandenen Zähne zusammengebissen und den Hintern zusammengekniffen und bin die letzten Meter ins Ziel gelaufen.

Auf den letzten Metern haben meine Augen immer wieder den rechten und linken Rand der Strecke auf der Suche nach meiner Familie abgegrast. Ohne Erfolg, denn meine Frau und die Jungs standen sensationellerweise direkt hinter der Ziellinie im Einlaufkanal zusammen mit einigen Racebookern, die tatsächlich extra auf mich gewartet haben.

Der großartigste Moment des Laufes war tatsächlich der Moment, in dem mein Kleiner auf Papi zugestürmt kam, ich ihn in die Arme nehmen konnte und ich Sekunden später die ganze Family bei mir hatte. Das war der drittbeste Moment meines Lebens! Wie versprochen habe ich auch direkt von einem Racebooker ein erfrischendes alkoholfreies Weizen bekommen. Meine Herren war das lecker.

Nachdem ich mich im Zielbereich noch etwas erholt und getrunken und gegessen hatte ging es noch einmal zurück zum Ort des Photos vom Morgen und es gab noch ein ‚geschafft‘-Photo mit einer Handvoll Racebooker!

Foto 2Auf dem Heimweg sind wir zum Kalorien-auffüllen noch einmal kurz eingekehrt.

Jetzt heißt es erholen, erholen, erholen. Man gut, dass ich zwei Wochen Urlaub habe. Aktuell habe ich keine Ahnung, wie ich morgen die Mindeststrecke zur Streakerhaltung schaffen soll…

Abschließend noch einmal mein Dank an alle, die es mir ermöglicht haben, diese Herausforderung anzunehmen und zu meistern: allen voran natürlich Sabrina & die Jungs, die Racebooker, Schubi, der Pacemaker, und die wahnsinnig vielen Helfer an der Strecke!

PS: Es fragt mich bitte niemand danach, ob ich das noch einmal machen möchte… Somit Projekt Marathon finished!

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
facebook
twitter
instagram